Christa Krähenbühl

«Stellen Sie sich vor, wir haben keine Probleme!»

Im Gemeinderat von Oberhünigen gibt es auf Anfang Jahr einen Wechsel. Christa Krähenbühl amtet neu als Gemeindepräsidentin. BERN-OST hat mit ihr gesprochen.

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Christa Krähenbühl: «Wenn sich Frauen entscheiden, daheim zu bleiben, sollte es mehr Anerkennung geben.» (Foto: zvg)

Christa Krähenbühl (43) ist im Stalden bei Konolfingen aufgewachsen. Sie hat Floristin gelernt und lebt seit bald 24 Jahren mit ihrer Familie in Oberhünigen, wo sie mit ihrem Mann den Grunderhof betreibt. Sie arbeitet in verschiedenen Kommissionen und Fachkommissionen, ist Vorstandsmitglied im Verband Bernischer Landfrauenvereine, Klassenhilfe im Kindergarten Zäziwil sowie Mitglied der Arbeitsgruppe Regionale Alters- und Generationenarbeit. Krähenbühl ist seit sechs Jahren Mitglied des Gemeinderats, ab Januar übernimmt sie das Gemeindepräsidium von Oberhünigen.

 

BERN-OST: Christa Krähenbühl, Gemeindepräsident Bruno Stalder trat nach 17 Jahren (wovon 10 Jahre als Gemeindepräsident) aus dem Gemeinderat zurück. Mussten Sie lange überlegen, ob Sie die Nachfolge antreten?

Christa Krähenbühl: Ich habe mir das schon ein wenig überlegt. Ich ging an die Gemeinderatssitzung mit der Vorstellung, dass der Vizepräsident übernimmt. Ich hätte nie gedacht, dass ich das Präsidium übernehme. Es hat sich dann so ergeben, weil es für die anderen aus beruflicher Sicht nicht passt. Deshalb entschied ich, diese Herausforderung anzunehmen.

 

Sie sind bereits sehr engagiert, haben Sie noch genug Zeit fürs Gemeindepräsidium?

Ja, das kann ich noch managen. Wir sind eine kleine Gemeinde, das Präsidium entspricht etwa einem Zehn-Prozent-Pensum. Ich hatte jetzt während sechs Jahren das Ressort Bildung und Soziales, war zusätzlich in der Bildungskommission engagiert. Dies wird wegfallen, da die neu gewählte Brigitte Lehmann das Ressort Bildung übernimmt. So habe ich mehr Zeit für anderes.

 

Welche Probleme hat Oberhünigen?

Stellen Sie sich vor, wir haben keine Probleme! Uns geht es sehr gut, wir konnten sogar die Steuern senken. Da seit einiger Zeit eine gute Ausgabenpolitik betrieben wurde, haben wir ein gutes Polster. Wir machen Sachpolitik, arbeiten effizient und pragmatisch. Es ist schön, hier zu arbeiten, wir haben ein gutes Team im Gemeinderat mit wenig Wechseln. Zudem läuft auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Zäziwil sehr gut, die unsere Verwaltung betreibt.

 

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Krähenbühls betreiben den Grunderhof in Oberhünigen. (Foto: grunderhof.com)

Das hört man selten.

Ja, aber es ist so. Wir hatten beispielsweise letzte Woche unser Schulschlussfest. Für uns war dies ein Glücksfall, dass wir einen Verein gefunden haben, der hier eine besondere Volksschule eröffnen wird. Das heisst, das Schulhaus steht nicht lange leer und kann zügig wieder vermietet werden, was für uns eine Superlösung ist.

 

Was werden Sie als erstes anpacken?

Mein Vorgänger Bruno Stalder hat das bisher sehr gut gemacht. Was uns als gesamter Gemeinderat beschäftigen wird, ist der Umbau des Schulhauses: Wir übernehmen die Bauführung selbst. Das wird uns von Januar bis in den Frühling beschäftigen.

 

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Christa Krähenbühl übernimmt ab Januar das Gemeindepräsidium. (Foto: zvg)

Sie kandidieren auf der SVP-Liste für den Grossrat nächsten Frühling, wie kam es dazu?

(Lacht) Ich war schon bei den letzten Wahlen angefragt worden, damals kam es nicht in Frage. Jetzt hiess es: «Es wäre gut we’d würdsch.» In unserem Wahlkreis konnten zwei starke Persönlichkeiten in den Nationalrat nachrutschen, die aus der Landwirtschaft kommen. Es geht mir aber nicht nur um die Landwirtschaft, ich bekam auch intensiv Einblick ins Bildungssystem des Kantons Bern. Zudem haben wir fünf Kinder, die die Schule besuchten. Ich kenne die Abläufe des Schulbetriebs also auch von dieser Seite.

 

Aber auch die Landfrauen sind mir wichtig. Wenn sich Frauen entscheiden, daheim zu bleiben, sollte es in der Gesellschaft mehr Anerkennung geben. Ich war lange zuhause und nicht auswärts arbeiten, das ist auch was wert. Aus diesen Überlegungen entschied ich mich, im März für den Grossrat zu kandidieren.  

 

Sie sind Mitglied bei den Emmentaler Jodler Konolfingen – neu wurde Jodeln ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen, was sagen Sie dazu?

(Überlegt) Das hat mich gefreut. Jodeln ist eine Tradition, die wir seit klein auf als Familie pflegen, weitergeben und ausüben. Es macht mich schon stolz, dass Jodeln dadurch eine gewisse Bedeutung und Anerkennung bekommt.


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Erstellt: 01.01.2026
Geändert: 01.01.2026
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