«Ich wage keine Prognose»
Auf Ende Jahr wurde ein weiterer lokaler Anzeiger eingestellt. BERN-OST wollte wissen, wie es um den Anzeiger Konolfingen steht, der nach wie vor in gedruckter Form verteilt wird: Wie lange erscheint der Anzeiger noch auf Papier?
Ende Jahr erschien der Anzeiger Kirchberg zum letzten Mal, wie die Berner Zeitung BZ berichtete. Der Anzeiger informierte über die Gemeinden Utzenstorf, Koppigen, Hindelbank und Bätterkinden. In der Region Bern-Ost wird der Anzeiger Konolfingen nach wie vor jede Woche als gedruckte Zeitung verteilt. BERN-OST wollte wissen, wie lange der Anzeiger noch auf Papier erscheint. Christine Hofer, ehemalige Gemeindepräsidentin von Grosshöchstetten, ist Präsidentin der Genossenschaft Anzeiger Konolfingen.
BERN-OST: Christine Hofer, immer wie mehr regionale Anzeiger werden eingestellt – wie steht es um den Anzeiger Konolfingen?
Christine Hofer: Im Moment noch gut, wir können immer noch Gewinn ausschütten an die 24 beteiligten Gemeinden. Das ist zwar nicht das grosse Geld, aber immerhin. Wir haben vor zwei Jahren eine Umfrage bei den Verantwortlichen der Gemeinden gemacht, wie es mit dem Anzeiger Konolfingen weitergehen soll. Die Rückmeldung war klar: Solange es möglich ist, wollen wir die gedruckte Version aufrechterhalten. Das war für uns eine Genugtuung. Wenn es kritisch wird, werden wir wieder auf die Gemeinden zugehen.
Wagen Sie eine Prognose, wie lange es den Anzeiger Konolfingen noch in Papierform gibt?
Die wage ich nicht zu machen. Es kann sich schnell ändern, kann aber auch noch lange weiter gehen.
Vor sieben Jahren lag die Auflage bei 29'250 Exemplaren, heute bei 30’715, also eine Zunahme von 1465 Exemplaren. Haben gleichzeitig auch die Inserate zugenommen?
Auf der einen Seite führt die Bautätigkeit zu einer höheren Auflage, da der Anzeiger an alle Haushalte verteilt wird. Die Preise für die Inserate sind jedoch nicht angepasst worden. Besonders während Corona war es schwierig, die Inserate gingen damals stark zurück. Das änderte sich jedoch wieder, weil lokal Werbung für offene Stellen geschaltet wurde. Auch die Todesanzeigen machen viel aus. Aber auch dies ist sehr unterschiedlich.
Wie stabil sind die Inserateeinnahmen im Vergleich zu früheren Jahren?
Das ist schwierig zu sagen, wir machen keine grossen Sprünge.
Welche Rolle spielt die gedruckte Ausgabe gegenüber der Online-Präsenz des Anzeigers?
Das spielt eine grosse Rolle! Es ist ein Unterschied, ob der Anzeiger im Briefkasten liegt und die Leute ihn durchblättern und sehen, was in der Gemeinde läuft. Oder ob sie auf ein Portal im Internet gehen, um den Anzeiger zu lesen.
Welche Herausforderungen sehen Sie für den Fortbestand des Anzeigers Konolfingen auf Papier?
Dass es weiterhin aufgeht mit den Kosten, dass genug Inserate reinkommen, die den Druck finanzieren. Zu sagen ist auch noch: Alle Gemeinden und die Kirchgemeinden können gratis ihre amtlichen Publikationen aufgeben. Das ist ein Service, den wir bieten. Einerseits für die Gemeinden und natürlich auch für die Einwohnerinnen und Einwohner in der Region. Der Gewinn ist genossenschaftlich organisiert und geregelt. Das Ziel ist, dass wir nicht nur knapp herauskommen, sondern dass noch etwas übrigbleibt, was wiederum an die Gemeinden zurückfliessen kann.
Der Anzeiger Konolfingen erscheint seit 1876. Als gedruckte Zeitung wird der Anzeiger jeden Donnerstag mit einer aktuellen (WEMF-beglaubigten) Auflage von 30'715 Exemplaren in alle Haushalte der folgenden 24 Gemeinden verteilt: Arni, Biglen, Bowil, Brenzikofen, Freimettigen, Grosshöchstetten, Häutligen, Herbligen, Kiesen, Konolfingen, Landiswil, Linden, Mirchel, Münsingen, Niederhünigen, Oberdiessbach, Oberhünigen, Oberthal, Oppligen, Rubigen, Walkringen, Wichtrach, Worb, Zäziwil. Online kann der Anzeiger Konolfingen bereits ab Mittwoch gelesen werden.
Von 1924 bis 2025 wurde der Anzeiger Konolfingen von der Aeschbacher AG in Worb herausgegeben. Seit die Aeschbacher AG letztes Jahr von der Ast & Fischer AG in Wabern übernommen wurde, wird der Anzeiger Konolfingen in Wabern gedruckt.