Löwen Wichtrach

«Es ist ein Träumli»

Seit vier Monaten sind Patrick und Tanja Aeschlimann die neuen Wirte im Löwen in Wichtrach. Im Interview erzählen sie, wie die ersten Monate verliefen, wie es ist, gemeinsam als Paar einen Betrieb zu führen, und warum die Gäste den Traditionsbetrieb weiterhin so schätzen.

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Patrick und Tanja Aeschlimann hinter dem neuen Tresen. (Bild: pg)

Patrick und Tanja Aeschlimann, wie sind euch die ersten Monate als Wirtepaar im Löwen ergangen?

Patrick: Sehr gut, sogar über unseren Erwartungen. Tanja war bereits fünfzehn Jahre im Löwen tätig und wusste genau, wie es vorher lief. Wir hatten gehofft, dass es ähnlich gut weitergeht, und das hat sich sogar übertroffen. Es ist schön zu sehen, dass die Leute wertschätzen, dass es den Löwen weiterhin gibt. Auch das Feedback ist sehr positiv. Die Gäste sind zufrieden, gerade weil wir nicht zu viel verändert haben.

 

Was habt ihr konkret verändert?

Patrick: Die Speisekarte blieb unverändert, Tanja hat bei der Einrichtung ihren eigenen Touch eingebracht. Ich glaube, die Gäste schätzen es, dass der Löwen immer noch der Löwen ist und nicht zu stark modernisiert wurde. Auch das ganze Personal haben wir übernommen, es ist ein super Team.

Ich bin natürlich ein kompletter Frischling in der Branche. Wir kannten zwar die Zahlen aus den Vorjahren, trotzdem waren wir erleichtert, dass es weiterhin so gut läuft.

 

Vor der Übernahme wurde umgebaut. Was genau habt ihr angepasst?

Patrick: In der Küche, beim Buffet und an der Bar haben wir einige Sachen renoviert.

Tanja: Auch der Weinkeller wurde etwas aufgepeppt, so dass die Gäste dort wieder gut einen Aperitif geniessen können. 

 

Ist inzwischen so etwas wie Alltag eingekehrt?

(Beide nicken.)

Patrick: Ja, ich denke, ich habe mich gut eingelebt.

Tanja: Definitiv. Patrick hat sich sehr gut eingelebt und das Schöne ist, dass es ihm auch gefällt. Das hätte ja auch anders kommen können. Am Freitag, Samstag und Sonntag müssen die Gäste oft reservieren, sonst kann es sein, dass es keinen Platz mehr hat. Wir sind wirklich sehr gut gestartet. Die Monate von Oktober bis Dezember waren wegen der Wildzeit schon früher stark, aber wir haben das Gefühl, es noch getoppt zu haben.

 

Gab es einen Moment, in dem ihr gemerkt habt: Jetzt sind wir wirklich ein Wirtepaar?

Tanja: Manchmal kann ich es immer noch kaum glauben, dass alles unseres ist.

Patrick : Es ist ein Träumli. Wir sind uns noch nie auf den Sack gegangen. (lacht)

 

Wie funktioniert die Zusammenarbeit als Paar im Alltag?

Tanja: Früher haben wir uns sehr wenig gesehen, weil ich gearbeitet habe, wenn Patrick frei hatte und umgekehrt.

Patrick: Ich hatte nie Zweifel, dass das nicht funktionieren könnte. Wir kennen uns ja auch schon seit fünfundzwanzig Jahren. Und trotz Zusammenarbeit sehen wir uns teilweise gar nicht so viel.

Tanja: Jeder hat seinen Bereich. Wenn Patrick einkaufen geht oder im Büro ist, sehen wir uns ja auch nicht ständig.

 

Wie haben die Gäste auf die Übernahme reagiert?

Tanja: Sehr positiv, die Leute haben grosse Freude.

Patrick: Eigentlich hören wir nur Gutes. Viele sind froh, dass der Löwen weiterhin existiert und immer noch Schweizer Küche angeboten wird.

Tanja: Wir sind von hier und man kennt uns. Ich wohne seit achtundvierzig Jahren in Wichtrach und habe lange im Löwen gearbeitet. Viele kennen uns persönlich und schätzen es, dass vertraute Gesichter den Betrieb weiterführen.

 

Wie ist das Team aufgestellt?

Tanja: Das ganze Team ist geblieben, bis auf eine Mitarbeiterin. Sonst hätten wir den Löwen wahrscheinlich gar nicht übernommen, denn gutes Personal zu finden ist extrem schwierig. Wir haben uns sogar schon zwei Tage frei genommen, während der Betrieb lief, und wussten, dass alles funktioniert. Dem Team kann man vertrauen, das ist unglaublich wertvoll. Nach vier Monaten wäre das mit einem komplett neuen Team kaum vorstellbar. Alle stehen hinter dem Löwen und geben alles.

Patrick: Egal ob Küche oder Service, es sind extrem tolle Leute. Das ist nicht selbstverständlich und macht uns grosse Freude.

Tanja: Auch der frühere Wirt Martin «Tinu» Büttiker arbeitet noch zu fünfzig Prozent mit und unterstützt uns dort, wo wir ihn brauchen. Dafür sind wir sehr dankbar, das gibt uns Rückhalt.

Patrick: Genau so haben wir uns das gewünscht. Er hat nicht einfach den Schlüssel übergeben und ist gegangen. Er freut sich mit uns. Dass er loslassen kann und trotzdem noch da ist, ist nicht selbstverständlich, aber es funktioniert sehr gut.

 

Patrick, du bist neu in der Branche. Was macht dir an deiner Arbeit besonders Freude?

(Patrick überlegt.)

Tanja: Besonders gerne liefert er die Mahlzeiten zu älteren Menschen nach Hause. Er freut sich immer sehr darüber, wie gross deren Freude ist, wenn er vorbeikommt. Er nimmt sich auch bewusst Zeit für einen Schwatz.

Patrick: Ja, das wird sehr geschätzt. Ein bisschen zusammensitzen, zuhören, ein offenes Ohr haben. Wir liefern täglich zwischen zwölf und siebzehn Menüs aus, ausser am Mittwoch und Donnerstag. An diesen Tagen übernimmt das Bahnhöfli, beziehungsweise momentan Bruderer, da das Bahnhöfli nach dem Brand vorübergehend geschlossen ist.

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Das Ausliefern der Mahlzeiten schätzen nicht nur die Kunden, auch Patrick hat grosse Freude daran. (Bild: pg)

Tanja, du kennst den Löwen schon lange. Was hat sich für dich am stärksten verändert, seit ihr gemeinsam führt?

Tanja: Ich sehe Patrick viel mehr. (lacht) Und ich muss mehr Entscheidungen treffen. Früher war ich die rechte Hand von Tinu und habe schon viel mitgearbeitet, jetzt liegt die Verantwortung stärker bei mir. Entscheidungen zu treffen ist nicht unbedingt meine Stärke.

Patrick: Dafür hast du ja mich. (beide lachen)

Tanja: Es ist zudem mehr Arbeit und etwas weniger Freizeit, aber das war uns klar. Darüber will ich mich nicht beklagen. Und so gut wie es läuft, braucht es einfach mehr Leute.

 

Habt ihr das Gefühl, dass es besser läuft als in den Vorjahren?

Tanja: Ich habe schon das Gefühl, dass es mehr Gäste gibt. Manchmal fragen wir uns, wo sie alle herkommen. Es wäre schön, wenn es so bleibt, aber ich rechne auch damit, dass es nicht immer so sein wird. Das sehen wir dann in einem Jahr. (lacht)

Patrick: Ich finde es schwierig einzuschätzen. Man weiss nicht, ob die Leute aus Neugier kommen oder langfristig bleiben.

Tanja: Aber auch die Neugierigen kommen wieder, wenn es ihnen gefällt. Patrick war früher im Aussendienst, viele haben gesagt, sie wollten mal vorbeikommen, und sind tatsächlich auch gekommen. Das freut uns sehr.

 

Gibt es bereits Pläne für die nächste Zeit?

Patrick: Im Frühling wollen wir das Gärtli etwas auffrischen. Wir konnten günstig neues Mobiliar übernehmen. Und das Wichtigste ist eigentlich, genau so weiterzufahren.


Autor:in
Pascale Groschel, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 02.01.2026
Geändert: 02.01.2026
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