Eine Gewitternacht veränderte alles
Was gibt es Schöneres als Liebesgeschichten? Wir sammeln Ihre romantischen, ungewöhnlichen oder überraschenden Geschichten und schreiben sie auf. Dabei zeigt sich: Hollywood verblasst neben dem echten Leben. Denn dort geht es manchmal noch verschlungener her als im Film. Zum Beispiel bei David (41) und Andrea (42).
Jung waren sie, als sich David und Andrea 1999 zum ersten Mal begegneten: Beide besuchten in Konolfingen das zehnte Schuljahr. Als Andrea eines Tages im Sportunterricht an ihm vorbeijoggte, stand für Dave sofort fest: Andrea war die Coolste. Er fasste sich ein Herz und liess sie fragen, ob sie mit ihm gehen wolle. Sie wollte nicht. Sie hatte ihre Hobbys, den Bauernhof der Eltern, das Unihockey – und keine Zeit.
Getrennte Wege, gemeinsamer Kontakt
Dann ging Andrea ins Welschland, David machte eine KV-Lehre mit Berufsmatur. Sie schrieben einander, freundschaftlich, klagten einander den jeweiligen Liebeskummer, und irgendwie war es wie verhext: War Dave frei, lebte Andrea in einer Beziehung, brach sie diese ab, hatte er soeben eine neue begonnen. Zeitweise verloren sie einander aus den Augen.
Das Wiedersehen in Bern
Eines Tages trafen sie zufälligerweise am Bahnhof Bern aufeinander, Dave studierte in der Stadt und Andrea war auf dem Weg in die Ferien. Sie verstanden sich wie früher, sahen einander wieder öfter. Beide waren in dieser Zeit in einer festen Beziehung, ausser Freundschaft kam nichts in Frage.
Dem Trennungsschmerz davon – bis nach Nepal
Als Andreas grosse Liebe bald darauf in die Brüche ging, schubste Daves Freund Lukas ihn, nun bei «Andle» zu landen. Er aber beschloss, als Freund für sie da sein. Das war allerdings gar nicht so einfach: Sie litt derart, dass sie ihrem Liebesschmerz bis nach Nepal davonreiste. Dort unterrichtete sie für ein Workaway-Projekt an einer lokalen Schule. Er blieb in Bern zurück. Und tröstete sich mit einer viel jüngeren Frau.
Rückkehr und zarte Freundschaft
Trotzdem schrieben sie einander Mails aus der Ferne, und als Andrea von ihrer Reise zurückkehrte, verbrachten sie mehr und mehr Zeit zusammen. Ihre Freundschaft fühlte sich gut an. Bis der Abenteuertrip am 1. August 2012 alles veränderte. Dave holte Andrea mit dem Töff zum Outdoor-Erlebnis ab, auf dem Gepäckträger zwei Schlafsäcke: Nach der Wanderung auf die Metschalp wollten sie im Freien übernachten.
Das Gewitter brachte die Wende …
Im Laufe des Tages zog ein Gewitter auf, ein Blick in den Himmel zeigte: Das würde heftig. Eilig suchten sie einen geschützten Platz zum Übernachten, klopften in der Not an die Ferienhaustür eines Ehepaars. Dieses bot ihnen spontan das Doppelbett im Gästezimmer an. Und so kam es nach vierzehn Jahren verpasster Momente, ungünstiger Umstände und falscher Zeitpunkte in dieser Nacht zur Wende: Dave und Andrea kamen sich näher.
… und Verwirrung und ernsthafte Fragen
Anfangs fand David das sehr verwirrend: Er hatte sich stets Liebe auf den ersten Blick vorgestellt, samt Funkensprühen und Schmetterlingsbauch. Gleichzeitig war ihm bewusst: Andrea ist so toll – wenn schon, dann würde es etwas Ernstes sein. Das stresste ihn, er mochte seine Freiheit. Aber er mochte noch mehr, wie sie miteinander umgingen.
Ein grosses Missverständnis ...
Eines Abends jedoch kam es zum grossen Zwischenfall, und um ein Haar hätten sich seine Zweifel von selbst erledigt: Andrea klingelte spontan an seiner Tür, ein Tiramisu unter dem Arm. Dabei hatten sie beide abgemacht, den Abend mal alleine zu verbringen. Und Dave ging der Laden runter. Ungefragt vorbeikommen und erst noch Süsses als Bestechung mitbringen – eine üble Grenzverletzung, «das geht gar nicht!». Er schloss die Tür vor ihrer Nase. Sie stand sprachlos davor. Und ging.
... und seine Folgen
Erst viel später erfuhr er, dass sie so kurz nach der Nepalreise gar keine Wohnung mehr hatte und gehofft hatte, bei ihm unterschlüpfen zu können. Der Vorfall gilt beim Paar heute noch als «Tiramisu-Krise», und es war ein heikler Moment – er hätte das Ende bedeuten können. Aber offenbar trug die jahrelange Freundschaft; der Faden riss nicht ab, und sie trafen sich wieder.
Wann ist man ein Paar?
Für David passte das: Er ist bis heute überzeugt, dass sie seit diesem Zeitpunkt ein Paar sind. Für Andrea hingegen steht fest: Richtig zusammen waren sie erst Monate später nach ihrer gemeinsamen Zeltreise nach Norwegen – nachdem sie etwas Grosses und Wichtiges als Paar erlebt hatten. Abgesehen davon war sie aber schneller als er – schneller bei der Frage, ob sie zusammenziehen wollten, schneller bei der Frage nach einer Familie.
Vom Zweifel zur Entscheidung …
Während er noch auf der Suche nach den Schmetterlingen war, hatte sie für sich alles geklärt: «Lass es uns versuchen, dann wissen wir es, sonst können wir es grad so gut sein lassen», fand sie. Also zog er zu ihr, dachte, apropos Kinder könne man sich noch ein wenig Zeit lassen. Dann kam alles ganz anders: Eine Schwangerschaft mit Fehlgeburt zeigte Dave, wie schön sich ein Kind mit Andrea angefühlt hätte.
… und bis zur Familie
Zwei Jahre später kam der ältere Sohn zur Welt. Es passte mit Dave und Andrea – so gut, dass Dave sie geheiratet hätte. Ja sogar ihren Nachnamen würde er annehmen, wenn sie das wünschte. Sie wollte nicht, erzählte ihm von jener Braut, die eine pompöse Hochzeit genossen hatte und drei Monate später vor einer zerbrochenen Ehe stand: Statt einmal gross Ja zu sagen, fand Andrea, wolle sie lieber jeden Tag erneut ja sagen.
Die Romantik mit Kind
Das Paar überstand auch diese Frage heil: Sie würden es umgekehrt anpacken, ohne Hochzeit, dafür mit Dauerhaftigkeit. Ein zweites Kind wäre schön, fanden sie. Dieses würden sie auf einer gemeinsamen Weltreise willkommen heissen. Ganz romantisch, so stellte David sich das vor. Stattdessen lagen sie unterwegs erschöpft zu dritt im viel zu kleinen japanischen Bett, der Sohn mitten zwischen ihnen, von Romantik nicht die Spur.
Das Kleeblatt wird vollständig ...
Erst nach einem weiteren Urlaub und dreieinhalb Jahre nach dem ersten Kind gesellte sich der zweite Sohn zur Familie und machte das Kleeblatt komplett. Die vielen Umwege auf ihrem gemeinsamen Weg haben Andrea und David gezeigt: Egal was, sie würden immer wieder zusammenfinden. Nach der Kleinkinderphase sind sie sogar wieder richtiggehend verliebt.
... ein Paar ist auf dem gemeinsamen Weg
Das Echte, so hat David auch durch seine Arbeit als Paartherapeut gelernt, ist wichtiger als vergängliche Glitter-Romantik. Trotz aller Umwege erleben David und Andrea Vertrautheit und Anziehung, und ihre Beziehung hat Bestand. Sie träumt davon, in ihrer Pension mit einem Wohnmobil um die Welt zu reisen. Er weiss jetzt schon: Er wird hier bleiben, und sie ab und zu besuchen gehen. Doch beide sind zuversichtlich: «Wir finden einen Weg, damit umzugehen.»
So kommen wir zu den Geschichten ...
Manchmal werden uns Geschichten zugetragen – und manchmal fragen wir direkt an, ob jemand bereit ist, mit uns zu reden. Manchmal haben wir dann Glück, wie im Fall von Andrea und David, die spontan zusagten. Danke!
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Die Namen der Protagonist:innen, die alle in der Region Bern-Ost leben oder arbeiten, sind der Redaktion bekannt. Für diese lose Serie dürfen sie auf Wunsch ein Pseudonym auswählen oder nur mit Vornamen genannt werden.